Eine tapfere Stadt


itten im schrecklichen Kriege, denn man den Dreißigjährigen nennt, saß plötzlich der rote Hahn auf den Dächern der Stadt. Die Feuereimer gingen von Hand zu Hand, bis die Brunnen in den Nachbarschaften leer waren. Niemand konnte mehr halfen. Das war im Jahre 1635. Die alte Freiheit war ein großer rauchender Trümmerhaufen. Nun der mächtige untere Turm der Gertrudiskirche stand noch. Aber die Männer gingen tapfer an die Arbeit, und aus den Bauernschaften rund um Wattenscheid herum kam viel Hilfe an Korn und Brot, an Ziegeln und Bauholz. Bald stand das alte Rathaus an der Oststraße wieder, und die evangelischen Christen hielten im Ratsaal ihren Gottesdienst. Dann bauten alle zusammen die Gertrudiskirche auf, und als der große Krieg zu Ende war, stand auch die Stadt wieder. Das Leben nahm seinen gewohnten Gang. Die Dreschflegel klapperten wieder auf den Tennen; die Handwerker gingen ihrem Gewerbe nach, und in der Braugasse dampften wieder die Briefkessel.
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In großer Not aber waren die evangelischen Bürger, da sie keine eigene Kirche hatten. Da schenkte ihnen zwei Wattenscheider Bürger, die als Kaufleute in Libau an der Ostsee wohnten, ihren kleinen Hof, die Friehove, genannt, als Bauplatz für die Kapelle. Nun regten sich viele fleißige Hände. An der gleichen Stelle, wo früher unter einem Nußbaum das Freigericht gehalten wurde, entstand das evangelische Kirchlein. Der Bildschnitzermeister Körmann aus Werden schnitzte einen prächtigen Kanzelaltar. Wattenscheider Bürger reisten durch ganz Deutschland und baten um Hilfe für den Kirchbau. Viele Menschen griffen in den Beutel, um zu helfen, sogar der Kurfürst von Brandenburg.

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