Der Schmied von Eiberg


in wenig abseits vom alten Hellweg, ein paar Steinwürfe weit hinter Staleycken, liegt eine Schmiede. Die Storpschmiede heisst sie im Volksmund. Hier soll sich die folgende Geschichte abgespielt haben; man sagt, sie sei wirklich wahr.

Vor mehr als tausend Jaher zog der Frankenkönig Karl vom Rhein her den Hellweg herauf, um die trotzigen Sachsen zu unterwerfen. Die verteidigten sich aber wacker, errichteten Landwehren, Schanzen und Erdburgen und machten ihm das Leben höllisch schwer. Die Strassenbezeichnungen Mattenburg, Horneburg und Harenburg im Süden Wattenscheids erinnern heute noch daran.
Also kam König Karl nach einem schweren Tag vor die Schmiede geritten und sprang aus dem Sattel. Der Schmied stand vor der Esse und wandte sich kaum um. "Mein Pferd hat ein Eisen verloren, schlagt ihm ein neues unter" sagte der König und trat näher. Der Schmied stapfte verdrossen davon und holte ein Eisen aus dem Winkel, ein starkes, gutes Eisen.
Der König griff danach und schaute es prüfend an. "Hast Du kein besseres, Schmied von Eiberg?" Er legte seine Hände um die Enden, bog an dem Eisen, dass sich sein Gesicht rötete, und knacks, hielt er zwei Stücke in der Hand.
...
Die warf er verächtlich auf den Boden und sagte noch einmal:"Kein besseres, eh?"
Der Schmied riss die Augen auf und sah den Fremden an. Gottes Wunder, das war ihm noch nie geschehen, dass einer mit blossen Händen ein Hufeisen zerbrach. Das musste König Karl sein, denn von dessen Kraft erzählte man sich Wunderdinge. Also nahm er ruhig ein zweites und reichte es dem Reiter hin. Der schloss seine Fäuste darum und bog und zerrte daran, diesmal aber vergeblich. "Schlagt es unter, das ist besser!" sagte er kurz. Schweigend arbeitete der Schmied. Ab und zu warf er dem Fremden einen bewundernden Blick zu, dann schlug er jedesmal auf den Amboss, dass es nur so dröhnte. Auch der König sah dem Schmied mit Wohlgefallen bei der Arbeit zu und freute sich an dessen hitziger Kraft.
...
Nun war seine Arbeit getan. Der Schmied von Eiberg nahm das Pferd am Zügel und liess es ein paar Schritte neben sich her traben. Dann führte er es zu dem Fremden.
Der hatte indessen seinen Lederbeutel gesucht und einen schönen blanken Taler hervorgekramt. "Gutes Eisen, gutes Geld" lachte er und reichte ihn dem Schmied hin. Der nahm ihn prüfend zwischen Daumen und Zeigefinger beider Hände, bog daran und knacks machte der Taler! "Habt Ihr keinen besseren, König Karl?" Die beiden Stücke klirrten vor dem König auf den Steinestrich. "Gebt Ihr mir schlechtes Geld für gutes Eisen?"
Nun war das Staunen bei dem Frankenkönig. Er holte einen zweiten, einen dritten Taler hervor und jedesmal warf der Schmied die Stücke dem Herrn Karl vor die Füsse. "Keine besseren, he?" Der holte nun endlich ein kleines, blitzendes Goldstück aus dem Beutel: "Nimm das, Schmied von Eiberg, und gib Dich zufrieden!"
Der Schmied nahm den Golddukaten, schmunzelte, wog ihn auf der ruhigen Hand und liess ihn in seine Wamstasche gleiten. "Der ist besser als der Taler, König Karl! Gutes Geld für gutes Eisen!" Der König streckte dem Schmied die Hand hin, schwang sich in den Sattel und trabte davon.
Der Schmied trat vor die Türe der Werkstatt, legte die Hand über die Augen und sah ihm lange nach und beide hatten in diesem Augenblick den gleichen Gedanken: Warum nur müssen die Schwerter immer feindlich aufeinanderschlagen - warum ist nicht Friede zwischen uns und ihnen...?

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