Die blaue Flamme

...

ft zog die Pest über den Hellweg, eine Krankheit, die man auch wohl den Schwarzen Tod nannte. Sie kam entweder in der Gestalt des Pestvogels, eines schwarzen Schmetterlings, oder in einem blauen Flämmchen, das von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus hüpfte.
... In den alten Bauernschaften Staleyken und Höntrop wurden in Pestzeiten die Bildnisse des Sankt Bartholomäus und des Sankt Jakobus durch die Fluren getragen und dann am Eingang zu den Ortschaften aufgestellt, um der Pest den Eintritt zu verwehren. Als der Küster an der alten Pilgerkapelle eines Abends seinen Rundgang um das Kirchlein und über den Friedhof machte, sah er eine blaue Flamme über das Feld längs der Hasselte hüpfen.   Da wußte er, daß die Pest im Lande war .
Flugs nahm er einen Spaten, grub ein Loch in den Acker und sprach den Pestsegen. Sogleich sprang die blaue Flamme in die Grube, und der Küster deckte sie mit vielen Schaufeln Erde zu.
Die Gefahr war gebannt.
...
Aber es ließ ihm keine Ruhe, und von Neugierde getrieben schlich er in einer Nacht auf das Feld, grub die Erde wieder auf, um zu sehen, was mit der Pestflamme sei. Aber kaum hatte er den Spaten in den Acker gestoßen, so sprangen viele blaue Flämmchen hervor, hüpften über das Feld zum Hellweg hinauf und in die Dörfer hinein, wo das große Sterben begann. Ihm selbst aber setzte sich ein großer schwarzer Schmetterling auf die Schulter, und er war der erste, den man auf dem Pestfriedhof begrub.

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